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Trojanisches Marketing deluxe

Natürlich handelt es sich bei diesem Beitrag in keinster Weise um Unterstellung fragwürdiger politischer Ansinnen, sondern lediglich um eine rein theoretische Betrachtung eines möglichen Verkaufsszenarios für unattraktive Produkte. Die geplanten Internetsperren zur Bekämpfung von Kinderpornografie könnte man nämlich als perfektes Lehrstück für exzellente Verkäufer verwenden.

Man nehme:

1. ein Produkt, das kein intelligenter, historisch gebildeter Mensch mögen kann: Einschränkung der Informationsfreiheit durch eine in keinster Weise kontrollierte Institution.

2. eine hochemotionale Problematik - hier: Kinderpornografie - , die jeder geistig gesunde Mensch hasst und stelle sein Produkt als effektive Bekämpfung für das Problem dar. Es reicht, wenn das Produkt einen homöopathischen Hoffnungsschimmer verkörpert.

90% der Käufer werden sofort und ohne nachzudenken im Affekt “zugreifen”. Die restlichen 10%, die Bedenken äußern und Hinterfragen fordern, werden von der Mehrzahl als böse Befürworter eines hassenwerten Problems geächtet. Denn für hochemotionale Themen gibt es nur “dafür” oder “dagegen“.

Der emotionale Affektzwang, nachhaltig unterstützt vom Gruppenzwang, ist in solchen Fällen so stark, dass rationales Ergründen von Hintergründen im Gehirn nahezu geblockt wird. Der Käufer weigert sich gegen Zweifel und reagiert sogar aggressiv.

Der Verkäufer muss sein Produkt also nur geschickt in ein schönes trojanisches Pferd einbauen und das Volk wird es unter Jubel in Empfang nehmen, ohne vorab in den Bauch zu schauen.

Fakten:

Einen sehr guten Beitrag zum Thema Internetsperren hat Mario Sixtus bei die Gesellschafter veröffentlicht. Ein Auszug:

“Das Sperrgesetz hat weit größere Nebenwirkungen, als diese vage Hoffnung auf homöopathische Wirkung jemals rechtfertigen könnte. Laut aktueller Planung sollen Internet-Zugangsprovider künftig den Zugriff auf Domains verweigern, die auf einer vom Bundeskriminalamt erstellten und ansonsten geheimen Schwarzen Liste stehen. Wessen Website warum auf dieser Liste landet? Streng geheim! Eine Kontrolle der Behörde? Nicht vorgesehen! Einspruchsmöglichkeit des Webseitenbetreibers? Pustekuchen! Jenseits jeglicher demokratischen Legitimation und Kontrollmöglichkeit, unter Missachtung des grundgesetzlichen Gebots der Gewaltenteilung schafft von der Leyens Ministerium hier eine Zensur-Infrastruktur, wie sie sich die DDR-Führung nur hätte wünschen können. Auch wenn die Ministerin noch so oft betont, die Sperren richteten sich »derzeit« ausschließlich gegen kinderpornografische Angebote: Die Interessenten an einer Erweiterung der Blockadeautomatik stehen bereits Schlange”

Ein weiterhin sehr lesenswerter Artikel bei mindhacks befasst sich mit dem Phänomen des Hereingelegt-werdens. Hier sind besonders Punkt 1 und 2 interessant:

Appeals to trust and authority:
people tend to obey authorities so scammers use, and victims fall for, cues that make the offer look like a legitimate one being made by a reliable official institution or established reputable business.

Visceral triggers:
scams exploit basic human desires and needs – such as greed, fear, avoidance of physical pain, or the desire to be liked – in order to provoke intuitive reactions and reduce the motivation of people to process the content of the scam message deeply.”


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